Wario Land II

25. August 2025, Seppatoni
Warios erstes ausgedehntes Abenteuer lief noch unter der Fahne der „Super Mario Land“-Reihe und liess an dessen Ende primär Nintendos-Vorzeigeklempner jubeln. Mit der Fortsetzung erhielt der beliebte Antagonist nun auch endlich sein erstes Solo-Spiel, das gänzlich ohne Mario-Bezug auskommt.

Nach all den Strapazen in den beiden letzten Super-Mario-Land-Titeln, konnte sich Wario endlich sein eigenes Schloss leisten. Doch lange währte sein Glück nicht, Captain Syrup und die Black Sugar Gang nehmen Rache für die Ereignisse in der Vergangenheit und räumten die Schatzkammer in Warios Heim leer, während der Besitzer schlafend in seinem Bett lag. Natürlich lässt dies Wario nicht auf sich sitzen, und macht sich daran, seine angehäuften Reichtümer wieder zurückzuerobern – und den einen oder anderen Schatz vielleicht zusätzlich dazu.

Von seinen alten Fähigkeiten hat der Knoblauch-Liebhaber nichts verlernt. Noch immer rempelt er mit einer Schulter voran Gegner aus dem Weg oder reisst damit Wände ein. Mit einer Stampfattacke macht er dasselbe mit seinem ausgeprägten Hintern. Durch einen normalen Sprung auf den Schädel kann Wario seine Gegner betäuben und anschliessend als Wurfgeschoss einsetzen. Umso mehr der Wurf aufgeladen wird, umso heftiger fliegt das Objekt durch die Gegend.

Auf Hilfreiche Items muss Wario weitestgehend verzichten, dafür findet er in den Levels weiterhin massig Münzen in unterschiedlichen Grössen und Werten. Diese darf er beispielsweise bei Minispielen verzocken. In jedem Level ist eines davon versteckt, der Schwierigkeitsgrad kann durch Höhe des Einsatzes selber bestimmt werden. Bei einem Erfolg wandert ein Schatz in Warios Besitz. Am Ende jeder Stage wartet – ebenfalls gegen Geldeinsatz – das Nummernspiel, bei dem ihr ein Stück eines Bildes freischalten könnt.

Wird Wario hingegen von einem Bösewicht getroffen, verliert er in der Regel einige Münzen. Energie oder Leben gibt es in diesem Spiel nicht: der Protagonist ist nämlich unsterblich! Das führt bei Kontakten mit speziellen Gegnern zu einigen aussergewöhnlichen Reaktionen. Wird Wario beispielsweise von einem Gewicht getroffen, wird er geplättet. So passt er nicht nur durch enge Spalten, sondern kann auch durch die Luft gleiten. Kriegt er ein Stück Kuchen in den Hals, schnellt sein Gewicht in die Höhe. Die Beweglichkeit ist zwar eingeschränkt, dafür zerbröselt er zuvor unzerstörbare Blöcke. Insgesamt rund 10 verschiedene Zustände kann Wario durch gegnerischen Einfluss erlangen. Vom schlurfenden Zombie, über den schwebenden Dickkopf bis hin zum sprungfreudigen Feder-Wario. Die ausgefallenen Fähigkeiten dienen nicht nur dazu Wario zu ärgern, sondern sind notwendig für den Fortschritt, um beispielsweise Rätsel zu lösen oder Geheimnisse freizuschalten.

Und von diesen gibt es in Wario Land II jede Menge. Neben den 5 regulären Kapiteln mit je 5 Stories warten nochmals genauso viele (plus ein weiteres) darauf, entdeckt zu werden. Auch die Schauplätze geizen nicht mit Abwechslungsreichtum. Das Abenteuer führt unter anderem durch Warios Schloss, in lebhafte Wälder, einen fahrenden Zug oder eine Fabrik. Die Ziele in den Welten gehen oftmals über das blosse Erreichen des Ziels hinaus. Mal muss ein Wecker gestoppt, bestimmte Gegner beseitigt oder auch ein Huhn zurück ins Nest gebracht werden. In jeder 5. Story wartet zudem ein Boss auf Prügel.

Grafisch überzeugt der Titel mit hübschen Sprites und witzigen Animationen. Grad Wario in all seinen Facetten überzeugt mit liebevollen Details. Auch die Hintergrundoptik weiss zu überzeugen, selbiges gilt für die Zwischensequenzen, welche zwischen den Kapiteln die Story vorantreiben und humorvoll inszeniert sind. Auf der musikalischen Seite wird ein typischer Wario-Soundtrack geboten. Neben bereits aus dem Vorgänger bekannten Stücken fügen sich auch die neuen Kompositionen gut ein, jedoch ohne grössere Ohrwurm-Qualitäten aufzuweisen.

An der Steuerung gibt es Nintendo-typisch gar nichts zu bemängeln, und auch der Umfang lässt kaum Wünsche offen. Über 50 non-lineare Welten, bei denen sich teils auch mehrere Besuche lohnen, sind bereits eine Ansage, dazu kommen noch die freispielbaren Schätze und Bilder, welche ebenfalls nochmals für Zusatzmotivation freuen. Und wer alles komplettiert, darf sich dazu auf ein besonderes Extra freuen. Dass das Ganze erhalten bleibt, dafür sorgt der Batteriespeicher, jedoch erlaubt dieser lediglich einen Spielstand.

Mit Wario Land II ging Nintendo einen neuen Weg. Wario unsterblich werden zu lassen mag zwar stellenweise etwas an der Motivation nagen, da es kaum Konsequenzen für Fehler gibt, dafür hat man diese Möglichkeit mit zahlreichen frischen und witzigen Ideen aufgepeppt. Warios zahlreiche Formen und die abwechslungsreichen Welten sorgen für viel Vergnügen und einen Nachfolger, der seinem Vorgänger in nichts nachsteht.

Wertung

test__sternvolltest__sternvolltest__sternvolltest__sternvolltest__sternvolltest__sternvolltest__sternvolltest__sternvolltest__sternvolltest__sternleer

9/10

Genre: Jump n’Run
Spieler: 1
Entwickler: Nintendo
Publisher: Nintendo
Erscheinungsjahr: 1998
Schwierigkeitsgrad: ansteigend

Kommentare


Seppatoni
avatar_seppatoni
Wertung:
test__herz_volltest__herz_volltest__herz_volltest__herz_volltest__herz_leer

Wario Land II habe ich damals zum Release des Game Boy Colors geholt und in Farbe genossen. Abgesehen von der Kolorierung ist auch die etwas früher erschienene GB-Version identisch. Für mich fehlte aufgrund Warios Unsterblichkeit etwas die spielerische Herausforderung. Das Spiel lebt von den kleinen Aufgaben und Rätseln sowie den vielen sammelbaren Gegenständen. Zusammen mit der tollen Präsentation bietet Nintendo einen abwechslungs- und ideenreichen Nachfolger, der für mich persönlich aber nicht ganz an den ersten Teil herankommt.

 Werbung